2019, Lebenslauf ohne Zeit

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Das Jahr 2018 ist zu Ende, schnell und unerwartet. So viele Dinge sind über das Jahr geschehen. Vielleicht schafft es der ein oder andere in dieser besonderen Zeit des Jahreswechsels einen kurzen Moment innezuhalten und zu reflektieren.

So habe ich wieder einmal feststellen müssen, mit welcher unfassbaren Geschwindigkeit alles Erlebte an uns vorbeirasen kann. Eine Nacht ändert im Grunde nicht dein Leben, weshalb ich Jahresvorsätze eigentlich als wirkungslos betrachte. Das Jahr 2019 als symbolischer Motivationsschub könnte jedoch bei einem ersten Schritt in die richtige Richtung helfen. Meinen Vorsatz habe ich versucht in einem Gedicht widerzuspiegeln:

100-Meter Leben

Was ist möglich, wenn ich noch schneller renne,
weiter und weiter, bis ich alles kenne

Unterwegs im Sprint, die Freude irgendwo dabei,
Der Akku ist leer, für die Anderen wirke ich frei

Ich sprinte im Zickzack und bleibe nicht stehen,
v
orbei an tausenden Orten, und doch nichts gesehen

Die nächste Runde, wie immer auf mich,
viele Gesichter, doch mich sieht man nicht

Der Terminkalender voll, schwer und meilenweit,
Gefühle verstehen, nichts als verlorene Zeit

Den Moment vergessen, im Kopf schon im Morgen,
in der Nacht wenn ich schlafe, darf ich mich sorgen

Eine Sekunde atme ich aus, bevor ich Energie tanke,
ich lächle müde, ertappe mich, ein witziger Gedanke:
„Was kann passieren wenn ich aufhöre zu rennen,
stehen bleibe, um mich und die Welt zu erkennen.“

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Wer wir sind sollten wir bleiben.

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Was für ein Glück, wenn wir endlich den richtigen Weg in unserem Leben gefunden haben. Nur was verleitet uns in diesen Abschnitten des Lebens immer wieder dazu, unsere Sicht und Einstellung völlig zu ändern.

Sorgen und Ängste erinnern uns immer wieder daran, dass wir nicht in der Lage sind, alleine auf unserem Lebenspfad zu gehen. Stützen wie Familie, Freunde oder Gott sind dann unabdingbar für uns.

Im Umkehrschluss würde das jedoch bedeuten, dass uns die höchsten und wichtigsten Ziele in unserem Leben nicht wirklich glücklich machen können, sofern wir sie im Grunde alleine feiern. Die Frage stellt sich also, wie wir lernen in jeder Lebenslage wir selbst zu bleiben.

Der Schlüssel liegt darin, sich in jedem Abschnitt des Lebens bewusst zu machen, wer wir sind und wer uns zu dieser Person gemacht hat. Denn wer uns gestern zum Wandern motiviert hat und uns trotz anhaltender Beschwerden zugehört und begleitet hat, den sollten wir niemals abweisen, auch wenn wir der Meinung sind, unser Weg wäre jetzt leichter.

 

Dankbar und Vergessen

Geradeaus, geliebt und gelobt,
Der Mensch vor dem Aufstieg, bisher nicht erprobt.

Ohne Fessel, fliegend und frei,
Der Mensch beim Anstieg, an seinen Begleitern vorbei.

Bunte Blätter, spitze Steine und warmer Wind.
Der Mensch am Abgrund, für einen Moment lang blind.

Hinten der drohende Dolch, davor weilt Niemand und Nichts,
Der Mensch im Fall, Empfänger des Lichts.

Wer wir sind sollten wir sein.

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Wenn wir uns in unseren Beziehungen zu sehr darauf fokussieren, welche Erwartungen sich an unser Verhalten oder unsere Ausdrucksart richten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass wir uns selbst verlieren. Diese Einstellung steht in einem kausalen Zusammenhang mit einem geringen Selbstwertgefühl. Sich nach anderen Menschen zu richten, bringt uns näher an Andere, entfernt uns aber weiter von uns selbst. Ohne Frage liegt der Schlüssel für das Glücklichsein nicht an der Perfektionierung der Anpassungsfähigkeit.

Selbst die auf den ersten Blick als positiv erworbene Verbindung zu Einzelpersonen wird uns spätestens in der Gegenwart einer vielfältigen Gesellschaft vor eine schwierige Aufgabe stellen. Diese unlösbare Herausforderung für unser Verhalten wäre auf Dauer nicht zufriedenstellend.

Wir sind wer wir sind. Nur wer dies verinnerlicht, kann mit sich und den Menschen, die einen auf diese Weise annehmen, glücklich leben.


Ich hör deine Sprache und lerne im Nu,
ich schaffe vertrauen und höre dir zu.

Ich sprech deine Sprache, einfach und schlicht,
ich verstehe dich blind, aber kenne dich nicht.

Ich sprech deine Sprache, gebildet und kultiviert,
ich
passe mich an, hab dein Verhalten studiert.

Ich verlern meine Sprache, bin ohne Identität,
von allen geschätzt, doch für mich ist es zu spät.

 

 

Mensch und Erde – abhängig aber nicht verbunden.

DSC_1129.JPGDie Überzeugung, wir würden eine gemeinsame Symbiose mit der Erde bilden, ist eine einseitige Interpretation, die sich spätestens nach zweiter Betrachtung als falsch erweisen wird. Das Talent diese Tatsache sowohl akzeptieren als auch ignorieren zu können, zeichnet den primitiven Menschen in uns aus.

Wir können erkennen und wir können verändern. Wir sind mehr als der einfache Mensch, wenn wir uns entscheiden, mehr sehen zu wollen. Und nur wer mehr sieht, kann nachhaltig handeln.

 

Brachiales Flüstern – wenn das Gepäck zu viel wird

Wie viel kleiner ist groß genug, um auszuhalten was verlangt ist? Wie viel Aufgaben sind zu erfüllen und zu bewältigen, bis ich selbst wieder an erster Stelle komme? Ist das Leben ein belastender Prozess, mit dem wir lernen müssen umzugehen? Wie viel Gepäck muss ich noch tragen bis es genug ist? Wo enden meine Verpflichtungen und wann beginnt mein eigener neuer Weg?

Ist es in Ordnung zu zweifeln? Was ist Zweifel überhaupt? Ist Zweifel ein Lernprozess oder eine unlösbare Zusammenfassung eines für mich perfekt zugeschnittenen Rätsels. Ist Zweifel gesund und muss Zweifel endlos sein?

Nach meiner Auffassung können Gedanken auf ihre Art brachial flüstern: „Du musst etwas tun… Du musst etwas aushalten… Du musst stark sein…. Du musst dich kümmern….“. Das Gewicht all seiner Probleme tragen zu können, macht einen Menschen stark. Noch stärker macht es einen Menschen sich einzugestehen, dass er nicht stark genug ist, das Gewicht allein tragen zu können.

Es gibt Momente, in welchen das Leben Angst machen kann. Die Summe aller Erwartungen durch Mitmenschen oder sich selbst führt dazu, dass das eigene Dach ab und zu droht einzustürzen.

Wenn es mal wieder ununterbrochen regnet und ich mich unendlich klein fühle, stelle ich mir vor, dass jedes Problem, jede Verpflichtung oder jede Sorge eine Tasche darstellt, die mal schwerer und mal leichter ist und mal weiter und mal weniger weit zu tragen ist. Ich empfinde die Erkenntnis als Segen, dass ich nicht alle Taschen auf einmal tragen muss und mir Freunde und Familie sogar bei sehr schweren Taschen helfen können. Und wenn man trotzdem einmal eine Tasche liegen lassen muss, ist das nicht das Ende.

Das Leben darf uns Angst machen. Das Leben darf uns manchmal auch in die Knie zwingen. Es ist nur wichtig wieder aufzustehen. Diese Kraft wünsche ich jedem Menschen, der am Boden liegt. Gleichzeitig hoffe ich, dass jeder Mensch nicht vergisst nach rechts und links zu schauen, um andere hochziehen, aufhelfen und stützen zu können.

Kein Mensch ist alleine stark. Wir leben alle von gegenseitiger Liebe.

Manchmal hilft es uns anzuhalten, um zu erkennen, dass alles genug ist.

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Ganz langsam klopft der Verstand,
tastet sich vor, erblickt hungerndes Land.
Die Werte des Lebens, erahnt und verkannt.

Greifbar scheint das neu versprochene Licht,
Offene Armen! Die Rettung! Verblendete Sicht?
Die Ruinen des Lebens, wer sieht sie noch nicht.

Der Blick fixiert und euphorisch, beinah besessen,
Vergangene Tiefen ignoriert, längst unangemessen.
Die Gespenster des Lebens, verborgen, vergessen.

Begeistert, rollend, unaufhaltsam und ohne helfende Hand, bis die gebrochene Stimme des Lebens ganz leise verschwand.

Wasser – ein profitables Investment

Wenn wir aufhören uns zu fragen, warum wir für Wasser bezahlen, haben wir die Frage vergessen bevor wir die Antwort akzeptieren konnten.

Man darf nicht vergessen an welchen Stellen wir wirklich etwas verändern müssen. Bezahlbares Wasser ist um jeden angesetzten Preis zu teuer. Nichts weniger als das Abschaffen von Profit im Zusammenhang mit den Ressourcen, die uns von der Erde geschenkt werden, sollte unsere gesellschaftliche Grenze sein.